Mittwoch, 12. April 2006


Muzak in Deutschland

zeitwissen_02_06_200Es scheint, als wäre das Phänomen des Audio Branding nun auch in Deutschland in einer breiteren Öffentlichkeit angekommen, kann man doch in der letzten Ausgabe von ZeitWissen tatsächlich einen Artikel über die Firma Muzak lesen.

Der Artikel von Holger Fuss fängt zunächst positiv an und beschreibt die wichtige Rolle von Musik - "Musik ist Magie" - bei der Umgestaltung der Filialen von C&A in den 1990er Jahren. Dann taucht jedoch immer häufiger das Wort "Wohlfühlen" auf und allmählich wird übergeleitet und das negative Image von Muzak - "Apostel der Wohlfühlreligion", "universales Kuschelmantra" - rückt in den Mittelpunkt.

Der Autor verweist damit jedoch nicht nur auf allgemeine kulturkritische Beobachtungen, die in der modernen Massengesellschaft eine Gesellschaft ohne Ruhe und ohne Stille sehen, sondern spricht auch einen wichtigen Punkt an: das Problem liegt nicht in einem allgemeinem Wachstum von Musik im Alltag, sondern darin, dass diese Musik in vielen Fällen noch viel zu wenig auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Nutzer, aber auch Merkmale der Produkte und Marken ausgerichtet ist.

Schließlich ist es ein Unterschied, ob ein Kaufhaus mit einem durchschnittlich wohlklingenden (nicht zu laut, nicht zu leise, nicht zu schnell, nicht zu langsam) Musikteppich belegt wird, oder ob ein Unternehmen wie Honda mit einer originellen Variation von Chorgesang eine virale Kampagne lostritt, in denen die Nutzer selbst den Clip herunterladen, anhören und weiterverbreiten. Diese Art des Audio Brandings hat (oder zumindest: suggeriert) Kanten - die Eigenheiten, das Brand Image, werden dadurch betont und nicht "übertüncht".

Vielleicht muss man die viel zu pauschale Kritik des Vereins "Lautsprecher aus!" - "wir wollen nicht dauernd mit irgendwelcher unbestellter und unerwünschter Musik belästigt werden" auch nur anders lesen und umdrehen: "wir wollen mit bestellter und erwünschter Musik belästigt werden". Anders ausgedrückt: Hier geht es um das, was Seth Godin als "Permission Marketing" beschreibt.

Technorati Tags: , , , , ,

Trackback URL:
http://corporatesound.twoday.net/stories/1820559/modTrackback

Ruhe als Marketingargument ...

... stimme diesem Artikel zu. Wie ich gerade erfahre, gibt es einen Re-Launch bei Pipedown Österreich.

Interessant: die sammeln Informationen über ruhige Plätze (Cafes, Hotels, ...) - das dürfte für manche Tourismusbetriebe in Zukunft ein Marketingargument sein (siehe Wellnessboom ...).

Mehr auf http://www.myquietplaces.com .

LG Bernhard

Suche

Aktuelle Beiträge

Die Beats der Fußball...
Die WM scheint dieser Tage überall zu sein. Doch...
Cornelius Stiegler - 7. Jul, 09:13
Old McDonald had a song...
Es ist immer wieder unterhaltsam, wenn Marken humorvoll...
Cornelius Stiegler - 10. Apr, 19:03
Pepsi und der Sound der...
Die FIFA WM in Brasilien wirft ihre Schatten voraus,...
Cornelius Stiegler - 3. Apr, 09:29
Wie klingt Great Britain
Schon seit einigen Jahren ist bekannt, dass sich unsere...
Cornelius Stiegler - 27. Feb, 11:29
Der Supergeile Supermarkt...
Wann ist akustische Markenkommunikation erfolgreich?...
Cornelius Stiegler - 26. Feb, 19:19

Archiv

April 2006
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 2 
 3 
 9 
11
13
14
15
16
17
19
21
22
23
25
26
27
29
30
 

RSS + Info

xml version of this page
xml version of this page
Business Blog Top Sites

Add this blog to my Technorati Favorites!

Copyrights

Die Inhalte dieses Weblogs ab 2009 stammen von Cornelius Stiegler.
Blogeinträge aus dem Jahr 2007 und früher stammen von Benedikt Köhler.
Verlinkung erwünscht.

Impressum



Creative Commons License

Bildung
Film
Geschichte
In eigener Sache
Internet
Konferenzen
Listen
Literatur
Marken
Marktforschung
Musik
Podcast
Presse
Psychoakustik
Sound Design
Technologie
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren