Donnerstag, 10. Mai 2012


VW inszeniert Klang-Klassiker: den Autotüren-Sound

Es ist eins der meist-zitierten Beispiele, wenn es um Sound Design für die Industrie geht, ist der Klang beim Zuschlagen einer Autotür. Viele Klänge werden inzwischen beim Produkterlebnis Automobil gezielt gestaltet. Der Motorensound von konventionellen und elektrischen Antrieben zum Beispiel, wie beim jüngst vorgestellten Sound des Audi R8 Etron. Dass dies besonders für Premium und Sportwagenmarken relevant ist, zeigen auch die Anstrengungen von Marken wie Porsche und Lexus.

Der Tür-Zuschlage-Sound jedoch ist nicht nur für Marken und Modelle quer durch alle Fahrzeuggattungen relevant, er prägt auch oft – noch vor der Probefahrt – den ersten akustischen Eindruck.
Grund genug für VW, diesen Klang noch einmal in den Mittelpunkt der Kommunikation zu stellen.



Wie sehr sich dieses akustische Muster in der Automobil-Industrie schon etabliert hat, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Kaum ein Oldtimer klingt so "tief" und "satt" wie die heutigen Fahrzeuge. Heute kommt kaum ein Anbieter mehr ohne dieses Element aus.

Ob die Unterschiede im Türklang aktueller Modelle noch groß genug sind, um von den potentiellen Käufern als Differenzierungsfaktor wahrgenommen zu werden, wäre daher ein lohnendes Thema für eine Vergleichsstudie. In wie fern die Anzahl der aus einem Baum fallenden Gegenstände und Tiere ein objektives Maß für die Klangqualität darstellen kann, muss sich allerdings noch zeigen...

Mittwoch, 18. April 2012


The Next Vuvuzela: Die Tic Tac Fan-Rassel

Die Vuvuzela hat der Fußball WM 2010 in Südafrika ihren ganz eigenen Sound verpasst. Geliebt oder gehasst – dem "Bienenschwarm" der Fantröte entkamen weder die Spieler im Stadion noch die Zuschauer zu Hause oder beim Public Viewing.
In der Folge wurden nicht nur neue Verfahren zum gezielten Filtern des unerwünschten Sounds bei TV-Übertragungen entwickelt, auch die künstlerische Auseinandersetzung mit der Vuvuzela trug zum Teil erstaunliche Früchte.

Erst kürzlich bewies das Instrument, dass es sich auch als auditive Protestäußerung gegen in Ungnade gefallene Bundespräsidenten eignet. Der große Zapfenstreich zum Abschied von Herrn Wullf wurde deutlich hörbar von südafrikanischen Klängen begleitet.

Seit dem steht die Frage im Raum, was wohl den Sound des Sommers 2012 und der Fußball EM prägen wird. Selbstverständlich hat der Sponsor Coca Cola auch darauf schon eine Antwort gefunden. Im Spirit of the Euro wird die bekannte Coke-Melodie neu interpretiert, ebenso wie im Coke Fan-Song "Let's get crazy":




Rasseln statt Tröten?

Nun schickt sich noch eine andere Marke an, den Sound der EM 2012 mit zu prägen. Tic Tac will mit seiner Fan-Rassel ein passendes Percussion Instrument liefern.

Quelle: Horizont.net
Quelle: Horizont.net

Ob die frischen Shaker den Vuvuzelas in Sachen Lautheit Paroli bieten können muss der Praxistest zeigen. Dass man mit Tic Tac Packungen Musik machen kann, steht hingegen außer Frage.



Die akustischen Ausdrucksmöglichkeiten für Fans wachsen also stetig. Man darf gespannt sein, welche Klänge den Corporate Sound der EM 2012 noch ausmachen werden.

Donnerstag, 12. April 2012


Wie klingen Elektro-Supercars?

Wenn kleine Jungs den Matchbox 911er über den Teppich rasen lassen oder etwas größere Jungs mit dem LEGO Technik Supercar zum 1/4-Meilen-Spurt ansetzen, imitieren sie nicht selten den passende Sound. Was wäre schon ein Sportwagen ohne VROOOOOOOMMMM?

Diese Frage ist für Sportwagenhersteller mehr als nur Kür, spielt doch der Klang beim Fahren eines Prestige-Gefährts für den Kauf eine ebenso große Rolle wie das optische Design. Nicht umsonst fließt bei Marken wie Porsche ein erhebliches Maß an Zeit und Ingenieurskunst in das Sound Design.
Kraft, Dominanz, Status – in der einen oder anderen Form spielen diese Assoziationen eine nicht zu unterschätzende Rolle bei Autos die – um es mit Freddie Porsche zu sagen – "keiner braucht, aber jeder haben will".

So auch für Audi. Ein Supersportwagen soll der R8 Etron sein. Nichts wäre dabei unpassender als ein Sound, der wahlweise "nach rangierendem Müllauto oder nach Krieg der Sterne" (Spiegel.de) klingt.

In mehr als drei Jahren Entwicklungsarbeit hat Audi daher seinen eigenen dynamischen Fahrzeugsound für den R8 Etron entwickelt, der Informationen wie Drehzahl und Geschwindigkeit hörbar macht. Damit liefert er nicht nur ein akustisches Feedback für den Fahrer, sondern auch für (potentiell neidische) Fußgänger.



Dass der Sound des R8 Etron zunächst erfrischend unspektakulär wirkt, ist dabei zu loben. Würden alle Hersteller so verfahren wie Toyota beim Prius wäre die Kakophonie bei großem Verkehrsaufkommen vorprogrammiert.

Dass bei der Gestaltung auch musikalisches Know-How zum Einsatz kommt, mag überraschen. Andererseits ist das gezielte Layering und Kombinieren verschiedener Klänge (im eigentlichen Sinne die Gestaltung von Klangfarben – eben Sound Design) auch in der modernen Musikproduktion nicht ungewöhnlich.
Klar scheint jedoch, dass das Ergebnis kein klassisch musikalisches sein kann, wenn es im akustischen Großstadtdschungel der Zukunft noch ein angenehmes Hörerlebnis hervorrufen soll.


Neuer Sound – bekannte Muster

Nichts desto trotz greift auch der Sound des R8 Etron auf altbekannte und bewährte Muster zurück. Eine ansteigende Tonhöhe etwa suggeriert eine Motor-Drehzahl und damit Beschleunigung. Ein wiederholtes Ansteigen tieferer Töne ist uns aus dem Gangwechsel vom klassischen Getriebe her vertraut und steht damit für stetig steigende Geschwindigkeit.
Obwohl die meisten Elektroautomobile keine Gänge mehr wechseln, sondern effizient durch-beschleunigen, ist es akustisch sinnvoll den Sound nicht bis an die Grenzen des oberen Klangspektrums zu treiben. Wer will schon in auf der Autobahn von einem stetigen, hohen Fiepton genervt werden.

Hier zeigt sich auch der Anspruch ernst genommenen Sound Designs: Wie bei der Gestaltung eines Corporate Sound für Marken geht es nicht nur um die Abbildung von Realität in Klang – das käme einer reinen Sonifikation gleich.
Es geht darum, dem Hörer durch akustische Reize die gewünschten Informationen zu vermitteln und gezielt Assoziationen zu wecken. Dafür ist auch ein gewisses Maß an künstlerischer Freiheit Vorraussetzung.

Welche Klänge werden aus den Mündern der kleinen Jungs in 50 Jahren kommen, wenn sie mit dem Matchbox Audi durchs Kinderzimmer pflügen? Das wird entscheidend davon abhängen, welchen Klang die großen Jungs heute und morgen an Elektro-Autos kennen und lieben lernen werden.

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